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SAiL 2025 in Bremerhaven
Eindrücke von der Veranstaltung des Jahres 2025
Gemessen an der Art und Anzahl von Segelschiffen, Dampf- und Motorschiffen war die SAiL 2025 in Bremerhaven mein Ereignis des Jahres. Als Freunde und Gleichgesinnte schon im Januar aufgeregt fragten: "Wann bist du dort?", "Auf welchem Schiff fährst du mit?", "Was werden deine Highlights sein?", fing ich an zu recherchieren und fand auch schnell Informationen, welche Schiffe schon angemeldet waren. Die Vorfreude auf ein Wiedersehen mit schon länger bekannten, aber auch auf die Begegnung mit ein paar neuen Segelschiffen war da und meine Erwartungen wurden größer. Zum Glück passte der Termin: keine Überdeckung mit wichtigen Pflichten oder anderen Segelveranstaltungen. Im Prinzip hätte ich in Rostock auf ein Schiff steigen und über Bremerhaven bis zur Sail nach Amsterdam durchfahren können. Leider habe ich nicht so viel Zeit. Ich machte die Planungen konkret: Unterkunft, Anreise, vielleicht ein Presseboot, Kontakte zu Menschen vor Ort und dann konnte ich der Veranstaltung mit Spannung entgegen sehen.
Leider erreichte uns im Mai als weltweite Gemeinschaft der Freunde traditioneller Segelschiffe die sehr traurige Nachricht vom tragischen Unfall der "Cuauhtémoc" in New York. Unfassbar! Die Bestürzung und auch meine Anteilnahme am Leid der Verletzten und Toten sind noch immer groß. Dieser Publikumsliebling auf jeder Sail-Veranstaltung konnte also nicht an der Sail Bremerhaven teilnehmen.
Highlight Sail-In: Parade der Segelschiffe auf der Weser
Das erste Highlight der SAiL 2025 war die Einlaufparade der Großsegler auf der Weser, die ich von einem RIB des Pressebüros aus beobachten konnte. In der Nacht zuvor war ich in Bremerhaven angekommen. Am Ponton vor den Schleusen lag hier bereits die Flotte zumeist holländischer Charterschiffe, die ich auch in Rostock schon begrüßt hatte. Der Innenhafen war weitgehend leer. In der Ferne sah man "Capitán Miranda", das Schulschiff aus Uruguay und über AIS konnte man ein wenig beobachten, wie sich auf der Außenweser und weiter draußen auf dem Meer eine Flotte bereit machte, um gemeinschaftlich entlang der Stromkaje in Bremerhaven einzulaufen.
Eins der Flaggschiffe dieser SAil 2025 war natürlich die "Alexander von Humboldt II". Sie sticht durch ihre grünen Segel immer heraus, auch wenn eine Parade oder ein Hafen voller Schiffe ist. Es war aber nicht nur das Grün der Segel, sondern auch die Seemannschaft der Crew, die bei der Parade sichtbar wurde. Als eines der wenigen Schiffe, die wirklich viele Segel gesetzt haben, bleibt mir die "Alex" in guter Erinnerung. Gut in Szene gesetzt erschien auch das Segelschulschiff der deutschen Marine, die "Gorch Fock II". Weil aber der erste Mann im Staat, Bundespräsident Steinmeier, an Bord war, kreisten Polizeieskorten um das Schiff, sorgten für die Einhaltung von Abständen und behinderten Aufnahmen. Unbedingt hervorheben möchte ich auch die "Shabab Oman II", Marineausbildungsschiff der Royal Navy of Oman, mit der Crew in der Takelage und die BAP "Unión", Ausbildungsschiff der peruanischen Marine, mit Show-Segeln und vor allem einer eindrucksvoll großen Staatsflagge am Heck. In der Parade sah ich auch erstmalig nach so vielen Jahren die "Sagres II" aus Portugal. Einen hervorragenden Eindruck hinterließ die "Großherzogin Elisabeth" vom Schulschiffverein in Elsfleth.
Leider kein großes Highlight: Repliken der Entdeckerschiffe
Ich wollte in Bremerhaven dabei sein, weil ich mich für die Nachbauten der Schiffe aus der Zeit der geografischen Entdeckungen und Erkundungsreisen europäischer Seefahrer interessiere. Ein Hingucker in der Parade war auf jeden Fall die Karavelle "Vera Cruz" aus Portugal mit den gesetzten dreieckigen Segeln, die das rote Kreuz, Symbol für die christliche Mission der Seefahrer während des Zeitalters der Entdeckungen, zeigten. Enttäuschend war der Auftritt der Nao "Victoria" und der Galeone "El Galeón" aus Spanien. So oft, wie ich diese Schiffe bisher gesehen habe, wurde darauf niemals auch nur ein Show-Segel gesetzt, was mich vermuten lässt, dass es auf diesen Schiffen keine seemännische Crew, sondern vorwiegend "Theaterleute" gibt. Auch die französische "Belem", Star der Hanse-Sail in Rostock, und mehrere kleinere Schiffe an Ende der Parade nutzten ihre Chance nicht, um die Blicke von Zuschauern auf sich zu ziehen.
Highlight Neuer Hafen: Bremerhavens SAiL-Atmosphäre
Vor der Skyline von Bremerhaven ging die Parade zu Ende. Ich eilte an Land und wechselte auf das Panoramadeck des Hotels, um das Einlaufen in den Hafen und Anlegen aus der Vogelperspektive zu sehen. Weil das Einschleusen der großen Schiffe sehr lange dauerte, blieb mir später auch noch die Zeit, ihre Ankunft im Neuen Hafen mit zu verfolgen. Meisterhaft schufen dort die Schlepper der Organisatoren ein abgestimmtes Bild mit einem Blick auf die Segelschiffe, der wohl jeden Besucher der SAiL 2025 begeisterte. Besonders effektvoll war dann auch die Beleuchtung einiger Schiffe am Abend.
Ich mag es sehr, schon früh morgens ohne Besuchergedrängel durch den Hafen zu schlendern. Auf den Marineschulschiffen erklingt dann häufig die jeweilige Nationalhymne, die Mannschaften treten an Deck an und die Crew von so manchem Schiff trifft sich zum meist lockeren Frühsport.
Einer meiner persönlichen Höhepunkte war ein Besuch auf der BAP "Unión", Segelschulschiff der peruanischen Marine. Die Führung durch den Kommandanten Kapitän zur See Juan José Roncagliolo Gómez in Begleitung von Generalkonsulin in Hamburg Sandra Pinto und Botschafter Augusto Arzubiaga bot eine hervorragende Gelegenheit, mehr über Peru und deren Marine zu erfahren und vor allem das wirklich eindrucksvolle Segelschiff im Detail zu sehen.
Wer einmal in Bremerhaven ist und etwas Zeit hat, sollte in eins der sehr guten Museen gehen. Das Klimahaus, das Auswanderermuseum oder das Deutsche Schifffahrtsmuseum zeigen ganz hervorragende Ausstellungen. Ich habe mich diesmal für das Schifffahrtsmuseum entschieden, um die über 600 Jahre alte Hansekogge zu sehen, die man 1962 im Schlick der Weser gefunden, dann konserviert und hier ausgestellt hat. Inzwischen gibt es drei Repliken nach dem Vorbild dieses Handelsschiffs aus dem 14. Jahrhundert, die "Hanse-Kogge" aus Kiel, die "Roland von Bremen" und die "Ubena von Bremen". Leider war keine von diesen bei der SAiL 2025 dabei.
Originell und eindrucksvoll war für mich eine einzigartige Klanginstallation, die an der Mündung der Geeste in die Weser zu hören war. Der Künstler Jens Carstensen erweckte den vergessenen Klang einer Hafenstadt zu neuem Leben. Schiffshörner haben dem Klangraum einer Seestadt über Jahrzehnte hinweg eine unverwechselbare Atmosphäre verliehen. Der Klangkünstler hat den Sound von rund 150 Schiffssignalhörnern aufgenommen und archiviert. Über einen riesigen Lautsprecher wurden diese Aufnahmen von Schiffen, darunter so legendäre Schiffe wie die "Queen Elizabeth II", abgespielt.
Da Bremerhaven bekanntermaßen ein sehr weitläufiges Areal an maritimen Ausstellungen bietet, war ich mit dem Rad unterwegs und kam damit auch bis zum Fischereihafen. Hier lagen mehrere Segelschiffe über Nacht und es starteten einige Ausfahrten mit Segelgästen. Allerdings mussten auch diese dann stets langwierig durch die Schleuse, um auf die Weser zu gelangen. Ich besuchte auch kurz die "Großherzogin Elisabeth", die auf Besucher wartete. Ein eingerichteter Shuttle-Service mit Bussen sollte diese vom Hauptfestplatz in den Fischereihafen bringen.
Ich war auch bei der Crew-Parade durch die Stadt Bremerhaven dabei. Am auffälligsten bei diesem farbenfrohen Festumzug waren aus meiner Sicht die Crew der BAP "Unión" und der "Shabab Oman II". Die Besatzungen zeigten sich in ihren Uniformen, aber auch in prächtigen Landestrachten. Zusammen mit der Musik entstand eine ausgelassene Volksfeststimmung und viele Einwohner von Bremerhaven waren davon begeistert.
Sehen so maritime Veranstaltungshöhepunkte der Zukunft aus?
In Bremerhaven wurden insbesondere auch Kreuzfahrtschiffe als Höhepunkt inszeniert. Das ging so weit, dass zur Abschlussveranstaltung mit einem "Feuerwerk" mittels Drohnen keine Segelschiffe mehr auf dem Wasser waren, dafür gleich drei hell erleuchtete Kreuzfahrtriesen. Sehen so die maritime Veranstaltungshöhepunkte in Zukunft aus? Tausende Menschen am Weserdeich, mich eingeschlossen, wollten das jedenfalls erleben. Ob dabei der eine oder andere auch an Fragen der Umweltbelastung gedacht hat, den diese scheinbar ungehemmte Gigantomanie bedeutet? Applaus gab es für diese Show der Superlative in jedem Fall!
Ich möchte mich hier unbedingt bei den Organisatoren der SAiL 2025 und besonders bei der Pressebetreuung bedanken. Diese gastfreundliche und unkomplizierte Zusammenarbeit hat zu einem sehr nachhaltigen Erlebnis geführt und einen ausgesprochen professionellen Eindruck hinterlassen. Ich freue mich auf die nächste SAiL!
Die Schiffe der großen Entdecker
Ein Thema der Sail Bremerhaven 2025 waren Nachbauten der Schiffe aus der Zeit der geografischen Entdeckungen und Erkundungsreisen europäischer Seefahrer, wie Christoph Kolumbus (1451-1506), Vasco da Gama (1469-1524), Bartolomeu Dias (1450-1500), Giovanni Caboto (1450-1498), Amerigo Vespucci (1451-1512), Ferdinand Magellan (1485-1521) und Juan Sebastian de Elcano (1486-1526). Gleich mehrere dieser Repliken besuchten 2025 die Sail Bremerhaven.
Karavelle "Vera Cruz"
Die Replik einer Karavelle wurde im Jahr 2000 anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der Entdeckung Brasiliens durch portugiesische Seefahrer unter Führung von Pedro Álvares Cabral (1467-1520) gebaut. "Vera Cruz" wird als aktives Museumsschiff betrieben und nimmt dazu meist Jugendliche an Bord für verschiedene Bildungsfahrten, wo es um das Leben an Bord mit so einem Schiff und die Schiffsführung geht. Sie kann auch in Lissabon einfach besichtigt werden oder besucht als Repräsentant Portugals europäische Häfen.
Nao "Santa Maria"
Die "Santa Maria" ist ein Nachbau des Flaggschiffs von Christoph Kolumbus, mit dem er bei seiner ersten Expedition 1492 als erster Europäer der Neuzeit nach Amerika gelangte. Der Bau erfolgte auf der Varaderos Palmas Werft in Punta Umbria, Huelva, in Spanien. Nach der Fertigstellung 2018 hat die "Santa Maria" viele internationale Veranstaltungen besucht und Häfen auf der ganzen Welt angelaufen.
Nao "Victoria"
Die "Victoria" ist ein Nachbau des Schiffs, mit dem dem Spanier Juan Sebastian de Elcano 1519-1522 erstmals eine historisch belegte vollständige Weltumrundung gelang. Seitdem sie 1991 in Spanien gebaut wurde, hat sie unzählige Häfen der Welt besucht, zwischen 2004 und 2006 auch eine Weltumrundung vollendet und dabei als Symbol der spanischen maritimen Geschichte und als schwimmendes Museum Tausenden Besuchern Einblicke in die historische Seefahrt ermöglicht.
Galeone "El Galeón"
Das Vorbild dieser Replik war kein Schiff aus der Zeit der großen Entdeckungen, sondern ein Kriegsschiff, welches auf Grund seiner Wehrhaftigkeit gegen damalige Piraten auch zum Transport von wertvoller Fracht genutzt wurde. Die Replik einer spanischen Galeone des 17. Jahrhunderts "El Galeón" wurde 2009 zu Wasser gelassen und bis 2010 aufgeriggt, ausgerüstet und fertiggestellt. Seit der Indienststellung unternimmt das Schiff weite Reisen und war bereits die Attraktion in vielen Häfen der Welt, u.a. 2010 bei der World Expo in Shanghai, 2014 an der Ostküste der Vereinigten Staaten von Amerika, 2016 in Kanada und in der Region der Großen Seen Nordamerikas, 2017 in karibischen Häfen der USA und immer wieder in vielen Hafenstädten Europas (Spanien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland).

















