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Hanse Sail Rostock 2025

Eindrücke und Impulse zur populären Veranstaltung in Rostock

Eine halbe Million Besucher, mehr als 100 Schiffe, ca. 13.000 verkaufte Mitseglerfahrten allein durch das Hanse Sail Buchungsbüro, vier Tage lang viele Highlights an Land und auf dem Wasser und sehr oft herrlicher Sonnenschein bei moderatem Wind: die Veranstalter können ein positives Fazit der diesjährigen Hanse Sail ziehen. Die Hanse Sail hat auch 2025 ihre Geschichte fortgeschrieben und dabei ihren guten Ruf bestätigt. Doch es gibt auch einige Punkte, die mich nachdenklich stimmen.

Dass das Wetter zwar nicht immer mitspielt, bekamen leider gleich die Haikutter zu spüren. Nach den Tagen beim Hajkutter Festival in Nysted konnten sie die Überfahrt nach Rostock nicht wie gewohnt mit Mitseglern und Gästen an Bord antreten. Ein Sturm fegte noch immer über die Ostsee und verhinderte eine weitere Auflage der beliebten Haikutterregatta.

Hendrika Bartelds auf der Hanse Sail 2025

"Hendrika Bartelds" auf der Hanse Sail 2025

Bark Belem in Rostock

Bark "Belem" in Rostock

Heringslogger Iris beim Schoner Race 2025

Heringslogger "Iris" beim Schoner Race 2025

Los ging es in Rostock also nicht mit den Haikuttern, sondern mit der Ankunft eines sehr besonderen Gasts, der französischen Bark "Belem". Die Betreiber schickten das Schiff 2025 auf eine Reise mit Besuchen von Häfen in Nordwestafrika, entlang der Küste Westeuropas bis nach Norwegen und Schweden. Auch Rostock war dabei einer der Anlaufhäfen, sehr zur Freude der Besucher der Hanse Sail. Als einziger Großsegler konnte die "Belem" allerdings nicht die Bilder vergangener Jahre der Hanse Sail mit "Mastenwäldern" großer Segelschiffe ausgleichen. Dominant am Warnemünder Passagierkai in Szene gesetzt waren 2025 eher Kreuzfahrtschiffe, das leuchtend rote Feuerschiff "Elbe 1 Bürgermeister Oswald" und Schiffe der Deutschen Marine. Besucher honorieren auch die Teilnahme solcher Schiffe ohne Segel. Bisweilen Warteschlangen vor den Gangways, bevor man ein Schiff betreten und besichtigen konnte und Hunderte Zuschauer, vor allem beim Ein- und Auslaufen der Kreuzfahrtschiffe an der West- und Ostmole in Warnemünde, sind dafür ein Beleg. Die Zugkraft dieser Gäste der Hanse Sail ist unbestritten.

Und Segelschifffe? Es war nicht zu übersehen, dass es 2025 weniger waren. Aber Besuchern, die das an den Molenköpfen allzu lautstark feststellten, sich gar darüber beschwerten, wie wenig ihnen in diesem Jahr geboten wurde, habe ich gefragt, wie viele Segeltörns sie denn im letzten oder in diesem Jahr gebucht haben. Die Schiffe kommen nach Rostock, weil sie ihren Unterhalt mit Gästefahrten verdienen wollen. Darauf muss alles ausgerichtet werden, von der Buchung über Bedingungen beim Boarding der Mitsegler bis hin zu Angeboten während der Ausfahrt. Spricht man zum Beispiel Schiffsbetreiber an, die heute der Hanse Sail fernbleiben, hört man das Argument, dass man gern den Trubel mit den vielen Menschen und vor allem den Rummel mit ohrenbetäubendem Lärm aus dem Weg gehen möchte. Dass das möglich ist, hat in diesem Jahr die Crew der "Landrath Küster" gezeigt. Sie hatten spät gemeldet und ihren Anlegeplatz in der Yachthafenresidenz Warnemünde bekommen, was Vorteile und Nachteile hat. Eine wichtige Frage ist sofort, wie potenzielle Segelgäste an Bord kommen. "Das hat eigentlich geklappt!", antwortete mir der Skipper, aber er weiß auch, dass das ein sensibler Punkt ist. Denn auch die Versorgung der Crew, die Anlieferung des Caterings und ggf. Entsorgung von Abwasser müssen organisierbar sein. Auch kommt nicht jedes Schiff durch die enge Einfahrt und die Zahl der Liegeplätze ist hier begrenzt. Davon mal abgesehen hat man dann aber auf jeden Fall einen ruhigen Liegeplatz, der sich z.B. für die mögliche Haikutterflotte sehr gut eignet und bei dreistündigen Ausfahrten ist man ohne Revierfahrt sofort auf der Ostsee, ein Vorteil, den man bei Buchungen der Segelgäste betonen kann. Ich sehe Chancen und Optimierungspotential für die Zukunft. Aus anderen Häfen kenne ich auch ein Vorgehen, wobei man den Liegeplatz und das Boarding von Segelgästen voneinander trennt, z.B. durch den Einsatz von Pontons.

Keine "Gorch Fock II", keine "Alexander von Humboldt II", keine "Roald Amundsen" und auch noch keine "Greif". Unterschiedliche Gründe lagen vor, warum große deutsche Segelschiffe nicht an der Hanse Sail 2025 teilnahmen. So endeten die Tall Ships Races 2025 Anfang August im dänischen Nordseehafen Esbjerg, von wo einige der vorwiegend Schul- und Jugendsegelschiffe weiterfuhren, um Mitte August an der SAiL 2025 in Bremerhaven teilzunehmen. Rostock war für sie terminlich bedingt nicht möglich.

Ein Loggertreffen auf dem Wasser

Ein Loggertreffen auf dem Wasser

Gruppenbild der ehemaligen Heringslogger zur Hanse Sail 2025

Gruppenbild der ehemaligen Heringslogger zur Hanse Sail 2025

Foto-Shooting mit ehemaligen Heringsloggern

Foto-Shooting mit ehemaligen Heringsloggern

Beim traditionellen Crewtreffen der Hanse Sail ergab sich ein Gespräch mit der Crew des deutschen Traditionssegelschiffs "Ryvar". So wie dieser ehemalige Heringslogger kommen jedes Jahr noch weitere Schiffe dieses Typs nach Rostock. Wir vereinbarten, in den nächsten Tagen die Idee eines gestellten Fotos mit baugleichen Heringsloggern unter Segeln auf der Ostsee noch einmal in Angriff zu nehmen. Vor zwei Jahren waren wir an verschiedenen ungünstigen Bedingungen damit gescheitert. Die Crew der "Ryvar" versprach, bei den Schiffsführern der anderen Logger für diese Idee zu werben, die sich dann auch nicht zweimal bitten ließen. Am Freitag der Sail ergab sich so auf der Ostsee vor Warnemünde die Gelegenheit für ein Foto-Shooting, welches mich sehr begeisterte und zu den Highlights der Hanse Sail 2025 gehört. Mit dabei waren "Ryvar", "Vegesack BV2" und "Belle Amie", die "Joanna Saturna", "Oban" und "Iris".

Neben den Haikuttern und Loggern sind die Nachbauten von Schiffen aus der Hansezeit ein wiederkehrendes Zuschauer-Highlight der Hanse Sail Rostock. Drei Koggen waren vor Ort. Seit 2021 nimmt sehr erfolgreich die aus Ueckermünde kommende Pommernkogge "Ucra" an der Hanse Sail teil. Nach ersten sehr vorsichtigen Teilnahmen sieht man sie heute, vorausgesetzt das Wetter passt, auch unter Segeln auf der Warnow. Wenn nun noch ein "Gruppenfoto" von einer gemeinsamen Ein- oder Ausfahrt der Koggen unter Segeln gelingt, wie es beim Koggen-Treffen 2006 unmittelbar vor der Hanse Sail der Fall war, wären mitsegelnde Gäste, Zuschauer an Land und die Presse ganz sicher begeistert. Die Logger haben es vorgemacht!

Abendfahrt der Paviljoen Tjalk Erna

Abendfahrt der Paviljoen Tjalk "Erna"

Pommernkogge Ucra  zur Hanse Sail 2025

Pommernkogge "Ucra" zur Hanse Sail 2025

Toppsegelschoner J. R. Tolkien vor Warnemünde

Toppsegelschoner "J. R. Tolkien" vor Warnemünde

Ein Thema, welches auch in diesem Jahr diskutiert wurde, ist die geplante Warnowbrücke, die einmal den Stadthafen von Rostock teilen soll. Als ich darüber mit einem holländischen Schiffsführer sprach, sagte dieser ganz deutlich: "Das kann das Ende der Sail bedeuten. Ich jedenfalls komme dann nicht mehr. Wir brauchen den Stadthafen so wie er ist für Wende und Ausweichmanöver. Das ist auch eine Frage der Sicherheit." In diesem Jahr lagen die Schiffe auch wegen der Bauarbeiten am Kempowski-Ufer in Päckchen von bis zu 4 und 5 Einheiten, was das Boarding der Mitsegelgäste erheblich erschwerte. Sowohl die Organisatoren als auch Verantwortliche in der Stadt sollten diese Argumente hören und für Lösungen sorgen, denn Tatsache ist: ohne die holländische Charterflotte gäbe es keine Hanse Sail Rostock, wie wir sie bisher kennen. Der Stadthafen war auch 2025 trotz der aktuellen Baumaßnahmen das pulsierende Herz der Veranstaltung. Die Schiffe müssen aber auch im kommenden Jahr mit Einschränkungen leben, wofür die Hanse Sail Organisatoren um Verständnis bitten.

Heringslogger -

faszinierende Segelschiffe mit interessanter Geschichte

Die Fischerei mit sogenannten Loggern auf Heringe war ab ca. 1860 bis in die 1970er und 1980er Jahre ein regelrechter Wirtschaftszweig, vor allem in den Niederlanden und in Deutschland. Dazu gehörten die besagten speziell auf diesen Fang ausgerichteten Schiffe, aber auch Landbetriebe, wo der noch auf See geschlachtete und gesalzene Fang verkaufsfertig weiterverarbeitet wurde. Bekannte deutsche Standorte für diese als Loggereien bezeichneten Betriebe waren Emden, Bremen-Vegesack, Leer, Elsfleth und Glückstadt.

Heringslogger unterlagen über die Jahre ihrer Verwendung in der Fischerei einer stetigen Weiterentwicklung, deren Ursprünge in den Niederlanden und bei den französischen Kanalfischern liegen. Der in diesem Beitrag vorrangig betrachtete stählerne Heringslogger entspricht einem Entwicklungsstand vom Anfang des 20. Jahrhunderts, war zwischen 25 und 30 Metern lang, etwa 6 Meter breit und hatten einen Tiefgang von bis zu 3 Metern. Diese Segelschiffe waren als Ketsch getakelt und verfügten auch über einen Dieselmotor als Hilfsantrieb.

Gefischt wurde vor allem in der Nordsee. So wie die Schiffe hat sich auch die Fischfangtechnik über die Jahre weiterentwickelt. Wurden zunächst Treibnetze eingesetzt, kamen später Schleppnetze und ringförmige Waden zum Einsatz.

Einige ehemalige Heringslogger

Heringslogger "Belle Amie" bei der Hanse Sail 2022
Heringslogger "Belle Amie" bei der Hanse Sail 2022
Heringslogger "Vegesack BV2" bei der Hanse Sail 2023
Heringslogger "Vegesack BV2" bei der Hanse Sail 2022
Heringslogger "Ryvar" bei der Hanse Sail 2022
Heringslogger "Ryvar" bei der Hanse Sail 2022
Heringslogger "Iris" bei der Hanse Sail 2023
Heringslogger "Iris" bei der Hanse Sail 2023
Heringslogger "Tecla" in Brest 2008
Heringslogger "Tecla" in Brest 2008
Heringslogger "Pirola" bei der Rumregatta 2019
Heringslogger "Pirola" bei der Rumregatta 2019