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18. Fjordregatta und 45. Rumregatta Flensburg 2026
Gaffelsegler zwischen Sturm, Gemeinschaft und TraditionDie 45. Rumregatta in Flensburg zeigte eindrucksvoll, warum dieses Treffen seit Jahrzehnten als das wichtigste Frühjahrsevent für die Freunde des Gaffelriggs gilt. Trotz widriger Wetterbedingungen, organisatorischer Herausforderungen und einer schrumpfenden Traditionsschifffahrtsflotte blieb der Geist der Veranstaltung ungebrochen - die Gemeinschaft der Segler wird gepflegt und hochgehalten.

"Nobile" segelt die Fjordregatta 2026
Ein Treffen mit Geschichte - und Gegenwind
Seit über vierzig Jahren kommen Gaffelsegler zur Rumregatta zusammen, um ihre Schiffe zu präsentieren, alte Freunde zu treffen, neue
kennenzulernen und um die Traditionen der Szene zu pflegen. Obwohl die Regatta offiziell als "unernste Geschwaderfahrt" gilt, ist auch
sportlicher Ehrgeiz dabei, aber bei weitem nicht das Wichtigste. Über allem steht der Gedanke zur Pflege maritimer Tradition.
Auch 2026 stand das Event wieder unter besonderen Vorzeichen. Der Museumshafen Flensburg kämpft seit einiger Zeit mit begrenzten
Kapazitäten auf Grund der maroden Kaianlage. Reicht die Kraft des Museumshafens Flensburg als Gastgeber noch aus, um das Gaffelseglerfest
zu organisieren? Wie tragfähig und belastbar sind vorhandene Strukturen, um eine Veranstaltung dieser Größenordnung zu organisieren?
Diese Sorge scheint jedoch unbegründet zu sein, solange es den Dachverein Historischer Hafen in Flensburg gibt, ein Team mit inzwischen
großer Erfahrung. Selbst so ein Hindernis wie eine zerfallene Kaianlage im Zentrum des Hafens, kann die Veranstaltung nicht stoppen. Die
Betroffenen ärgern sich zwar über das Krisenmanagement der Stadt Flensburg, haben aber eine Übergangslösung gefunden, die auch 2026 funktionierte.
Im Flensburger Hafenblatt hatte man auch eine Lösungsvariante mit Hilfe von Pontons diskutiert. Solange aber diese Schwimmstege nicht wenigstens
vorübergehend installiert sind, müssen Gastlieger der Veranstaltung in Päckchen am Bohlwerk oder vor dem verkleinerten Gaffelmarkt an der Nordspitze
des Hafens anlegen. Die dadurch entstehende Teilung der Flotte ist aus meiner Sicht zu verkraften. Und der Hafenkapitän Frank Petry nahm sich die
Zeit, jeden der einlaufenden Gäste zu seinem Liegeplatz einzuweisen.

"Bolette", ein dänischer Haikutter auf dem Wasser

"Karoline Svane", ein weiterer dänischer Gast

"Haabet", schon häufig in Flensburg mitgesegelt

"Rollo", ein alter Bekannter in Flensburg
Die Heringsregatta und Fjordregatta als stürmischer Auftakt
Viele der Gastschiffe nehmen am langen Himmelfahrtswochenende gewöhnlich an den Heringstagen in Kappeln teil. Wegen Budgetkürzungen wurden diese jedoch für 2026 abgesagt. Nach einem kurzen Treffen in Kappeln segelten die Schiffe aber die Heringsregatta nach Sønderborg, um von dort gemeinschaftlich nach Flensburg anzureisen. Diese kleine Fjordregatta gab es in diesem Jahr schon zum 18. Mal. Die Wetterbedingungen waren allerdings auch hier schon sehr herausfordernd. Die Schiffe erreichten gerade die Nordspitze von Holnis, als eine recht mächtige Sturmbö über sie hereinbrach und viele zur Aufgabe des Rennens zwang. Warum etwas riskieren, wo man doch am nächsten Tag zur Rumregatta antreten wollte.

"Rollo" und "Albin Köbis" bei der Fjordregatta 2026

"Aliado" bei der Fjordregatta 2026
Etwas Dramatik auch im Hafen Flensburg
Auch im Hafen von Flensburg, wo sich die Lüttfischer zum traditionellen und allseits beliebten Dreikampf trafen, gab es bereits an diesem Tag dramatische Szenen. Eine plötzlich einfallende Windbö erwischte das Wikingerboot "Erik Styrimathr" in einem ungünstigen Moment. Das Boot kenterte und die Crew des DLRG Motorrettungsboots kam zu einem Einsatz. Mannschaft und Wikingerboot wurden zügig geborgen. Es entstand kein nachhaltiger Schaden, aber die übrigen Segler waren gewarnt.
Gemeinschaftsgeist am Vorabend
Am Freitag wurden abends auf dem Hof des Schifffahrtsmuseums die eingetroffenen Gäste willkommen geheißen und mit dem Singen der "Gaffelseglerhymne" gleich das Gefühl einer Gemeinschaft Gleichgesinnter gestärkt. Es gab auch eine Liste mit den Zielzeiten der Schiffe, die die Fjordregatta an der Zieltonne unter Segeln beendet hatten. Nach welchen Regeln dann die Nennung als Sieger und Platzierte erfolgte, bleibt das Geheimnis des Regattaleiters. Gewonnen hatten gewissermaßen alle. Sie hatten es trotz des Wetters bis nach Flensburg geschafft, ihren Platz im Hafen gefunden und freuten sich gemeinsam auf alles das, was die Rumregatta beliebt macht: ein maritimes Volksfest mit Musik, viele Gaffelsegler zum Bewundern und Staunen, Segeln und Handwerk, Fachsimpeln und Lästern, "besondere Preise" für Sieger und die 3 Liter Flasche Rum für alle Zweitplatzierten.
Regattasamstag: Absage für Kleine, Verantwortung für Große
Leider erlebten die guten Beziehungen der Organisatoren zum Wettergott einen Belastungstest. So manche Crew, die an Bord übernachtet hat, wird leise geflucht haben, denn die Temperaturen müssen nachts nicht nur unter 10, nein gar unter 5 °C gelegen haben. Auch am Regattasamstag hing ein bleigrauer Himmel über der Förde und der schon am Morgen frische Wind trieb Regenfahnen über das Wasser. Die Wetterprognosen für den Tag waren schlecht. Folglich wurde die Rumregatta für die kleinen Segelschiffe offiziell abgesagt und die Regattaleitung sprach zwar mit Bedauern aber auch eindringlich eine Mahnung an die Führung größerer Schiffe aus, ihrer Verantwortung für ihre Crew und ihre gaffelgetakelten Lieblinge gerecht zu werden. Vollkommen spontan wurden dann Crewmitglieder kleinerer Schiffe auf größere Schiffe aufgeteilt. Ein starkes Zeichen der Solidarität - wichtiger als jede sportliche Wertung. Mir war zwar auch klar, dass ich an diesem Tag zu keinen brauchbaren Fotos kommen würde, aber das spielt keine Rolle, wenn gesichert ist, dass die Aktiven Spaß haben und weder Crew noch Schiffe zu Schaden kommen.

"Vegesack BV2" bei der Fjordregatta 2026

"Homo Faber" segelt die Rumregatta 2026

"Seestern" bei der Fjordregatta 2026
Start unter schwierigen Bedingungen
Vom Startschiff "Flensburg" aus bot sich ein beeindruckendes Bild: Die Gaffelseglerflotte setzte sich in Bewegung, verschwand aber aufgrund des starken Westwinds und der vorherrschenden Regenschleier rasch aus der Sichtweite. Eine fotografische Begleitung war unmöglich.

"Penguin Cafe", bei der Rumregatta 2026

Jugendsegler "Clara", hart am Wind!

"Hanna", immer vorn dabei!
Über Funk hörten wir Gesprächsfetzen von einem Einsatz der DGzRS, die mit ihrem Seenotrettungsboot "Werner Kuntze" auf dem Wasser dabei waren. Die Barkasse
"Maria Merit" war als Begleitschiff im Einsatz, hatte jedoch auf Grund einer "Verstopfung" einen Motorausfall und musste in den Hafen von Glücksburg geschleppt
werden. Es ist großartig, wie sich sowohl DGzRS und am Vortag die DLRG um Havaristen kümmert. Das wurde bei der Preisvergeudung am Abend auch gewürdigt.
Viele Schiffsführer entschieden sich dann, den Rückweg nach Flensburg, der hätte gekreuzt werden müssen, unter Maschine zu fahren oder gleich die Heimreise
in meist dänische Häfen anzutreten. Nur 24 Schiffe standen am Ende auf der Zieldurchgangsliste und es war dann die Aufgabe der Regattaleitung, eine würdige,
gerechte und wie immer spaßige Preisvergeudung vorzubereiten.

"Marie", sie ist eine Siegerin!
Traditionsschifffahrt im Wandel
Die Rumregatta 2026 steht auch exemplarisch für Herausforderungen in der Traditionsschifffahrt in Deutschland allgemein. So kämpft auch dieses Segelfest inzwischen mit sinkenden Zahlen teilnehmender Segelschiffe. Die Organisatoren freuten sich zwar 2026 über etwa 70 angemeldete Schiffe. Die Teilnehmerliste wurde jedoch mit Begleitschiffen einer besonderen Art aufgestockt: Helgoländer Börteboote, bekanntlich ohne Segel, aber immerhin Arbeitsboote aus Holz mit einem traditionellen Einsatzhintergrund, der heute zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands gehört. Sie wollten eigentlich während der Rumregatta Fahrgäste an Bord nehmen und kurze Ausfahrten anbieten, was auf Grund der Wetterverhältnisse dann leider nicht möglich war. Die kleine Gruppe unentwegter Bootsführer war dennoch in Flensburg herzlich willkommen und kommt hoffentlich wieder.
Mein Fazit: Eine Regatta, die mehr ist als eine Wettfahrt
Die Rumregatta 2026 war kein Jahr der Rekorde, sondern ein Jahr der Haltung. Sturm, Regen und Kälte sowie schwierige Rahmenbedingungen konnten die Gemeinschaft
der Gaffelsegler nicht brechen. Die Veranstaltung bewies einmal mehr, dass Tradition nicht von Zahlen lebt, sondern von Menschen, die sie tragen.
Ein maritimes Volksfest - rau das Wetter, herzlich die Begegnungen, unerschütterlich der Traditionsgedanke.
Treue Teilnehmer der Rumregatta – ein Blick auf die Flotte
Früher warb man in Flensburg gern mit dem Superlativ "Größtes Event für Gaffelsegler Nordeuropas". Ich erinnere mich an Rumregatten mit mehr als 100 teilnehmenden
Segelschiffen. Abgesehen von der Tatsache, dass der Hafen Flensburg so viele Schiffe im Moment nicht aufnehmen könnte, sind diese Zeiten vorerst Geschichte.
Statt über fehlende Schiffe zu klagen, lohnt der Blick auf jene, die noch segeln und der Rumregatta seit Jahren die Treue halten:
- die Lokalmatadoren: Heringslogger "Ryvar", Gaffelketsch "Albin Köbis" und ...
- die Haikutter: "Bodil", "Bolette" und ...
- Holländische Segelprofis: Klipper "Pegasus" und...
- Jugendcrews: "Seestern", "Clara", "Nobile", "Melpomene", HF42 "Providentia" und ...
- Dänische Gäste: "Lilla Dan", "Haabet", "Karoline Svane" und ...
- Premieren 2026: "Akka", "Frifararen" und ...

der Rügenwalder Kutter "Aurora von Altona"

Haikutter "Carmelan"

Groninger Seetjalk "De Albertha", Geweldig, heel erg bedankt voor uw loyaliteit!

Gaffelkutter "Mytilus"

Schoner "Mira", Fantastisk, og mange tak!

"D'Oare Wie" bei der Fjordregatta 2026
Ich kann sie nicht alle nennen, aber diese Vielfalt zeigt: Die Rumregatta bleibt ein lebendiges Stück maritimer Kultur - trotz aller Herausforderungen.





